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Roland Hohlbaum Malerei
Vita Debüt 1985 in der Deplana-Kunsthalle in Berlin-Halensee. Diverse Einzelausstellungen in - Braunschweig - Göttingen - Dresden - Salzgitter - Wolfsburg - Berlin Rede zur Ausstellungseröffnung Roland Hohlbaum, Galerie Tammen, Berlin, 13.06.2014 Roland Hohlbaum kommt vom Tachismus her. Hier in der Ausstellung sehen Sie aktuelle Bilder in Öl auf Leinwand, die weitestgehend als Landschaften gelesen werden können und in Teilen sowohl gegenständlich als auch abstrakt angelegt sind. Außerdem zeigt der Künstler kleine Tuschebilder aus den letzten drei Jahren, die um das Thema Stadt kreisen und sich deutlich ablesbar auf Berlin beziehen oder auch auf La Gomera entstanden. Sie sind mit spezieller Tusche auf Fotodruckpapier gearbeitet, ähnlich dem Aquarell aufgetragen, wobei sich im Malprozess die Farbe wasserunlöslich mit der Papieroberfläche verbindet. Eine Korrektur wird dadurch nahezu unmöglich. Die Spontaneität des Wirklichkeitszugriffs ist ihnen anzusehen.   Gleich hier in der Eingangszone überrascht uns Hohlbaum mit furiosen Akkorden. Es sind Hochdruckgebiete malerischer Freude. Man sieht, wie der Künstler sich geradezu die Seele aus dem Leib gemalt hat, wie er erst Strukturen in Öl geknetet, einen Reliefgrund angelegt, dann geschabt, gekratzt, die Leinwand mit Ästen und Fußabtretern malträtiert hat, um ein Höchstmaß an Tastbarkeit, eine Material-Landschaft zu gestalten, die uns nicht nur bis in den Augenhintergrund heimleuchtet, sondern tatsächlich unsere Fingerspitzen prickeln lässt, dass man am liebsten in den Malschlamm greifen und sich von dieser Gute-Laune-Malerei umarmen lassen möchte. Es ist dieses Gefühl driftender Pinsel-Grooves unter einer bevorzugt grellen, in Neon-Töne gleitenden Farbigkeit, die einen anspringt. In Sekundenschnelle ist man auf Betriebstemperatur – oder, wem das nicht behagt, abgetörnt auf Maxi-Distanz-Niveau. Solch eine Malerei genießt man als wunderlich erfüllte Gegenwart oder fühlt sich schlicht und einfach vertrieben Kraft eines unbändigen Malerpranken-Infernos.   Hohlbaum zieht tatsächlich alle Register. Er kann springen und tanzen, wie es ihm gefällt, er wahrt die Form. Rein ästhetisch lebt er expressiv nach innen. Was kein Widerspruch ist, eher von hohem Energiepotential und malerischer Lust zeugt. Der Dreiklang, der uns in dieser aufrauschenden Schwelgerei umgibt, trägt die Titel „Entladung“, „Königskobra“ und „Abendhitze“. Es ist ein ekstatisches Hin und Her zwischen Gewitterfront-Erleben, Nebel-Gefühlen und Hitze-Koller – bruchlos mehrsätzig angelegt und variantenreich weitergeführt durch die anderen Bilder seiner aktuellen Produktion. Wir bekommen Landschaften vorgeführt, die sich aus innerem Erleben nähren und gleichzeitig Entsprechungen zu Gesehenem haben. Hohlbaum schöpft aus sich. In dem Hochdruckmodus, in dem er arbeitet, stellt er das Romantische und Idyllische in Frage. Er reflektiert den Einfluss des Menschen auf die Natur, beleuchtet die Bedrohung der Natur und zugleich deren Widerstand und Wehrhaftigkeit. Es gibt zwischen den Keilrahmen dicht orchestrierte, vielstimmige Klangflächen und wir werden erzählerischer Momente ansichtig, die Andeutungen von Urbanem, eingebaute Assistenzfigürchen sowie Tiere als Verweiszeichen implizieren. Es ist eine Intimität im größten Maßstab, aber sie funktioniert.     © 2014 Christoph Tannert Alle Rechte beim Autor         Der Tagesspiegel schrieb am 26. Juni 1985